Der scheinbare Widerspruch vom Fokussieren

Wer sich nur auf wenige Sachen fokussiert, macht sich auch nur über wenige Dinge Gedanken. Das könnte man zumindest meinen. Doch in Wirklichkeit ist es ganz anders.

Es sind eher die Menschen, die sich nicht fokussieren, die sich nur über wenige Dinge Gedanken machen. Die Sachen nicht richtig hinterfragen und sich mit ihnen auseinandersetzten. Wieso auch, schließlich können sie doch einfach alles tun.

Wer sich hingegen nur auf wenig fokussiert, denkt meist sehr viel über verschiedene Sachen nach.

Es ist ein scheinbarer Widerspruch. Doch schnell einleuchtend. Denn möchte man sich auf die wesentlichen Dinge fokussieren, muss man erstmal in der Lage sein, die wesentlichen Dinge zu identifizieren. Das setzt voraus, dass man sich über sehr viele Sachen Gedanke macht.

Natürlich macht sich ein Essentialist nicht über alles Gedanken. Viele Themen können sehr schnell komplett aussortiert werden. Schließlich gibt es so viel, was keinen wirklichen Mehrwert für unser Leben bringt – es teilweise eher negativ beeinflusst.

Wenn es dann darum geht, sich auf etwas zu fokussieren, müssen die Optionen gut abgewägt werden. Dieser Schritt wird von vielen Menschen nur oberflächlich gemacht oder einfach ganz übersprungen. Wie sieht es mit dir aus? Analysierst du deine Optionen genau, um dich dann bewusst auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren? Oder stolperst du eher wahllos durchs Leben?

Bereits nach 2 Wochen bin ich gescheitert

Ich habe mir für den Rest des Jahres also vorgenommen, keine neuen Dinge mehr zu kaufen. Mein Leben zu vereinfachen und mich noch mehr auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren.

Den letzten Artikel habe ich geschrieben, kurz bevor ich nach Norwegen Wandern gefahren bin. Als er online ging, war ich bereits auf einem Berg irgendwie in der Natur. Man könnte meinen, es gäbe kaum einen besseren Ort für solch ein minimalistisches Vorhaben. Nur mit dem Rucksack unterwegs. Keine Ablenkung. Ganz automatisch kommt man auf den Boden der Realität.

Und doch hatte ich bereits am 2. Tag eine lange Liste mit Sachen, die ich gerne noch haben würde. Vor allem Outdoor-Ausrüstung. Meine Reisebegleiter hatten einfach wirklich tolle Ausrüstung mit. 1000 Dinge, die mein Leben besser machen würden. Ok vielleicht nicht mein Leben, doch hätten sich einige Sachen auf dem Trip sicherlich gut bewährt.

Ich habe mir nichts davon gekauft und werde es dieses Jahr auch nicht tun – so zumindest der Plan. Es war jedoch sehr interessant zu erfahren, wie schnell man in manchen Situationen neue Sachen kaufen möchte. Teilweise nicht unbegründet. Denn ganz ehrlich: Mit einem Sommerzelt in Norwegen bei Kälte, Sturm, Schnee und Eis ist man nicht unbedingt optimal ausgerüstet. Für manche Vorhaben braucht man einfach ein paar Sachen – zumindest machen sie es einfacher und auch sicherer.

Auch wenn ich mir keine Outdoor-Ausrüstung gekauft habe, so habe ich mir doch etwas Neues zugelegt. Nachdem ich mal wieder für eine kurze Zeit aus nur einem geordneten Rucksack gelebt habe, wollte ich auch mehr Ordnung bei mir Zuhause. So habe ich mir 4 Boxen zur Organisation zugelegt.

Im Prinzip habe ich damit mein Vorhaben, nichts Neues zu kaufen, schon nicht geschafft. Trotzdem habe ich hier eine Ausnahme gemacht. So habe ich mich gezwungen meine Sachen nochmal komplett zu sortieren und habe gleich ein paar Dinge aussortiert. Natürlich kann man sich vieles ganz einfach zurechtlegen und begründen. Gekauft ist gekauft. Aber das Gute ist ja, dass jeder selbst entscheiden kann, was zu seinem Weg passt und wo er eine Ausnahme macht. Ich bin jedenfalls voll motiviert, “weiterhin“ nichts Neues zu kaufen.

6 Monate lang nichts mehr kaufen

Ich starte ein Experiment: 6 Monate lang werde ich keine Dinge mehr kaufen. Dinge? Naja, keine neuen Sachen. Zeugs halt. Lebensmittel usw. natürlich schon. Aber nichts, was ich nicht unbedingt brauche.

Dinge machen uns nicht glücklich

Schon lange bin ich davon überzeugt, dass mich mehr Dinge im Leben nicht glücklicher machen. Minimalismus ist definitiv kein neues Thema für mich. Darum versuche ich auch seit längerem sehr bewusst, nur ausgewählte Sachen in mein Leben zu lassen. Wirklich nur Sachen, die ich auch in meinem Leben haben möchte. Doch du weißt wie das ist, irgendwie werden es dann doch immer mehr… Es gibt einfach so viel tolle Sachen!

Ich geb’s zu: Ich habe unzählige Bücher in den letzten Monaten gekauft. Viele davon habe ich noch nicht gelesen. Teilweise nicht mal reingeschaut. Jedes Mal denke ich mir: „Es sind ja nur Bücher“. Und Bücher sind auch wunderbar, darum geht es mir hier nicht. Sondern darum, dass ich noch bewusster mit den Dingen in meinem Leben umgehen möchte.

Genau darum starte ich dieses Experiment. Ich möchte dadurch mehr Wertschätzung zu den Sachen entwickeln, die ich bereits besitze. Gleichzeitig möchte ich den inneren Impuls, immer neue Sachen haben zu wollen, schwächen.

Worum geht es genau?

Keine neuen Dinge. Also keine Bücher, Klamotten, Gadgets oder ähnliches. Gleichzeitig auch keine neuen elektronischen Dinge wie Ebooks, Apps oder Software. Schließlich geht es mir nicht unbedingt darum, dass die Dinge physischen Platz wegnehmen. Dinge nehmen Platz in unserem Leben ein – unabhängig davon ob sie physisch oder digital sind.

Ausnahmen

Von Beginn an möchte ich mir gleich ein paar Ausnahmen freihalten: – Wenn mein Macbook oder ein anderes essentielles Arbeitsgerät kaputtgeht, darf ich ein Neues kaufen. Ich brauche einige wenige Sachen zur Arbeit und möchte nicht auf sie verzichten. – Wenn ich etwas Neues unbedingt für die Arbeit wie z.B. Arbeitsmaterial für ein Seminar oder mein Studium wie z.B. ein Fachbuch brauche, darf ich auch das kaufen. – Weiterhin werde ich in den nächsten Monaten versuchen, meine genutzte Software zu “minimalisieren“. Dabei möchte ich unter anderem auch viele Abos kündigen. Teilweise werde ich dafür alternative Tools ohne Abo kaufen. Dies plane ich jetzt schon ein. Neue Tools müssen jedoch alte ersetzen und ich werde mich auf solche beschränken, die ich wirklich brauche.

Ich denke, das war es erstmal. Für mich ist es das erste Experiment in dieser Art. Auch wenn ich mich als Menschen sehe, der eher wenig kauft, wird es eine kleine Herausforderung sein. Ich bin gespannt, inwiefern sich meine Beziehung zu einigen Sachen verändert.

Im Laufe der Zeit werde ich Updates schreiben. So kannst du meine Entwicklung mitverfolgen. Vielleicht ist dies hier auch der perfekte Anlass, um dein eigenes Experiment zu starten? Worauf wartest du?

Pros fokussieren

Ein Pro ist sich bewusst, worin er wirklich gut ist. Er beschäftigt sich über Jahre hinweg mit seinem Thema. Lern unentwegt dazu und entwickelt sich.

Natürlich ist ein Pro nicht nur in einer Sache gut. Vor allem in Nebenbereichen kann er auch ein beachtliches Wissen und Kompetenzen vorzeigen. Schließlich ist er kein Fachidiot. Wer Punkte verknüpfen möchte, muss viele Punkte kennen.

Weiterhin ist einem Pro bewusst, worin er nicht gut ist. Worin er nicht gut sein muss. Was er nicht tun sollte. Er versucht gar nicht erst, gut darin zu werden. Schließlich können wir nicht in allem gut sein. Darum fokussiert er sich nur auf wenige Dinge. Blendet alles andere aus. Überlässt anderen die Arbeit, die er nicht gut kann. Damit er seine Arbeit selbst gut machen kann. Sei ein Pro. Fokussiere dich.

Du versteht alles falsch

Ständig füllen wir Lücken. Denken uns unseren Teil. Stellen Zusammenhänge her. Sorgen dafür, dass unsere Kommunikation doch noch funktioniert.

Denn wir kommunizieren alles anderes als eindeutig. Auch wenn wir das manchmal glauben mögen. Es ist schon lange bekannt, dass nicht selten zwei Personen mit völlig verschiedener Wahrnehmung aus einem Gespräch herausgehen. Wir können versuchen, uns klar und eindeutig auszudrücken. Nichtsdestotrotz wird es uns nie gelingen.

Das gehört einfach zur menschlichen Kommunikation dazu. Sie ist alles andere als perfekt. Missverständnisse sind eher die Regel als die Ausnahme. Ebenso interpretieren wir Dinge unentwegt falsch. Natürlich können wir versuchen, unser Gegenüber immer besser zu verstehen. Nachzufragen. Uns in den anderen hineinzuversetzen. Doch zu allererst sollten wir die Situation akzeptieren.

Wie reiben uns unsere Sachen zusammen. Interpretieren extrem viel in sie hinein. Anders ist es gar nicht möglich. Lass uns das annehmen und so in jede Kommunikation gehen. Mit Offenheit. Verständnis. Empathie. Vor allem jeder Menge Menschlichkeit und Platz für Fehler.

Nutze wenig Zeit zu deinem Vorteil

Du hast keine Zeit. Wir alle sind beschäftigt und haben keine Zeit. Es gibt einfach zu viel zu tun.

Doch statt darüber zu verzweifeln, kannst du einfach das Positive daran sehen. Denn nur wenig Zeit für etwas zu haben, kann auch sehr vorteilhaft sein.

Wenn wir viel Zeit für etwas einplanen, brauchen wir meistens auch lange dafür. Es ist völlig natürlich, dass wir für Sachen länger brauchen, für die wir auch mehr Zeit haben. Das ist im Parkinsonschen Gesetz sehr gut formuliert:

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

– Cyril Northcote Parkinson

Das bedeutet, dass du dir nicht zu viel Zeit geben solltest. Dass du vielleicht deutlich effektiver bist, wenn du nur wenig Zeit hast.
Dann kannst du es dir nicht leisten, dich auf unwichtige Sachen zu fokussieren. Ganz automatisch konzentrierst du dich auf die wesentlichen Dinge. Du musst dich ständig fragen und entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Sieh es also nicht als Nachteil, nur wenig Zeit für etwas zu haben. Nutze die Zeit so gut wie es geht und bringe die wesentlichen Dinge voran. Werde dir bewusst, wie viel effektiver du ganz automatisch arbeitest. Vielleicht gefällt es dir sogar so sehr, dass du dir selbst nur noch strenge Zeitblocks für deine Aufgaben gibst. Doch am wichtigsten: Handle. Denn mehr Zeit bekommst du nicht.

Fertig ist besser als perfekt

Lass es uns einsehen: Nur wenn wir etwas in die Welt bringen, haben wir etwas geschafft. Es ist egal, wie schlecht es auch sein mag. Trotzdem ist es immer deutlich besser, als die beste Idee, die wir nie verwirklichen.

Zu oft wollen wir etwas möglichst gut machen und enden dann dabei, es überhaupt nicht zu machen. Entweder wir fangen es gar nicht erst an oder wir beenden es nicht. Was für eine Verschwendung. Was für eine vertane Chance. Bitte enthalte uns nicht vor, was du zu bieten hast. Vor allem nicht aus dem Grund, dass du es möglichst gut machen möchtest.

Fertig ist besser als perfekt. Fertig ist besser als gut. Denn fertig ist das Einzige, was zählt. Bring es zu Ende. Bring es in die Welt. Doch gib dein Bestes dabei.

Weniger ist die Antwort

Oft meinen wir, dass mehr die Antwort wäre. Dass mehr besser wäre. Ständig ist unser Bestreben nach mehr ausgerichtet. Doch mehr macht vieles nicht besser. Weder bei Produkten, Ideen noch in unserem Leben.

Ganz im Gegenteil: Ab einem gewissen Punkt, werden Dinge durch das Hinzufügen sogar schlechter.

Dinge werden durch Wegnehmen besser. Indem wir Unnötiges aussortiere. Überflüssiges entfernen.

„Das Aussortieren des Unwesentlichen ist der Kern aller Lebensweisheit.“

– Lin Yutang

Wir stopfen unser Leben mit immer mehr Dingen voll. Wollen immer mehr Features und Gadgets. Unser Streben nach mehr scheint keine Grenzen zu kennen. Kaum haben wir etwas, wollen wir mehr davon. Oder das Nächste. Ein besseres Tool. Die nächste Beförderung. Die nächste Reise. Ein noch besseres Erlebnis. Mehr.

Dabei merken wir doch schon lange, dass uns das nicht glücklich macht. Innerlich sehnen wir uns nach Einfachheit. Das Leben ist so stressig und komplex geworden. Wie schön es wäre, wäre alles ganz simpel.

Liegt es nicht an uns, wie kompliziert wir unser Leben gestalten? Wie viel wir in unser Leben hineinlassen? Was wir wollen? Was wir als wichtig erachten? Natürlich ist es nicht einfach, sich von dem „modernen“ Leben plötzlich zu entziehen. Dennoch ist es möglich. Du kannst ganz einfach aussteigen. Dich nur noch auf die Sachen fokussieren, die dich glücklich machen.

Das ist einfach gesagt, ich weiß. Denn natürlich haben all die Sachen, auch ihr Gutes. Sie lenken uns ab. So müssen wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen. Was wir eigentlich wirklich wollen. Wir müssen uns nicht mit den wirklich schwierigen Dingen konfrontieren. Können lieber das bekannte Übel wählen. Einfach weiter machen. Mehr wollen.

Ist es das, was du wirklich willst? Ich denke nicht. Tief in dir weißt du, dass mehr nicht die Antwort ist. Dass du ein anderes Leben führen möchtest. Richtig? Worauf wartest du?

Es sind keine riesigen Veränderungen nötig. Du musst nicht auf einmal, alles anders machen. Fokussiere dich einfach auf die wesentlichen Dinge. Auf die Sachen, die dir wirklich wichtig sind. Fokussiere dich auf weniger. Tue weniger.

Weniger, aber besser.